Wie viel Sabotage steckt in deinem Büro?

Unternehmen gut zu organisieren ist eine der wichtigsten Leitungsaufgaben. Es geht darum effiziente Prozesse zu etablieren, den Arbeitsalltag für Angestellte produktiv und motivierend zu gestalten sowie die Unternehmensziele nicht aus dem Blick zu verlieren. Um dies zu tun, gibt es einige Praktiken, die sich in vielen Unternehmen etabliert haben:

· Aufgaben und Prozesse werden in eigenen Unternehmensprozessen kanalisiert. Man entwickelt eine hausinterne Methode, die das Vorgehen für Arbeitswege vorgibt — Abkürzungen sind ausgeschlossen

· Wenn man über Ziele spricht, spickt man seine Beschreibung mit Anekdoten und persönlichen Elementen, um sie greifbar zu machen. Diese Ausführungen sind gerne etwas länger und sie werden regelmäßig erwähnt, um den Fokus nicht aus den Augen zu verlieren

· Beim regelmäßigen Jour fixe bezieht man sich auf Punkte aus dem letzten Treffen, um die letzten Details zu klären

· Um sicherzugehen, sollten Aufgaben und Instruktionen stets schriftlich erteilt werden

· Wording und Ton in der Kommunikation müssen präzise und mit Bedacht gewählt werden, Überarbeitungen für die Corporate Language sind der Normallfall

Viele von uns werden ähnlichen Situationen im Arbeitsalltag begegnet sein: Es gibt die Kollegen, die Monatsberichte sprachlich penibel ausschleifen. Es gibt die Kollegen, die bei den Meetings die Punkte der letzten Woche aufbringen, um ganz sicher zu gehen, dass alles seine Richtigkeit hat. Es gibt die teuren Berater, die mit hausinternen Schritt-für-Schritt-Prozessen locken, um ein Problem zu lösen.

Was dabei problematisch ist, dass sich manche Arbeitsprozesse und Organisationsmethoden so stark in das Büroleben eingenistet haben, dass Teams und Führung ihre Sinnhaftigkeit gar nicht mehr hinterfragen. Die oben beschriebenen Prozesse stammen beispielsweise aus einem Sabotage-Handbuch der CIA aus dem Jahr 1944 — Saboteure sollten ganz genau wissen, wie sie feindliche Wirtschaftseinheiten (also Unternehmen) ineffizienter machen. Man kann das Handbuch aus dem CIA-Archiv hier abrufen.

Ich will damit nicht sagen, dass Unternehmen mit langen Teamsitzungen ihre eigene Arbeit sabotieren wollen oder dass leidenschaftliche Plädoyers für Konzernziele kontraproduktiv seien. Es ist allerdings wichtig in der Organisationsentwicklung, Führung und Mitarbeitermotivation aus guten Absichten keinen negativen Automatismus zu schaffen. Was die oberen Punkte nämlich alle gemein haben, sind Wiederholung und Routine. Es ist keine Schande zu hinterfragen, ob manche Unternehmensrituale nicht veraltet sind oder man sie aus Gewohnheit fortführt — „das haben wir schon immer so gemacht“.

Jedes gutgemeinte Organisationselement verliert seinen Mehrwert, wenn man es zum Selbstzweck tut. Nicht immer sind Teammeetings notwendig. Beim 10. Mal hören auch die motiviertesten Mitarbeiter nicht mehr bei der Chef-Anekdote aus dem Jahr 2011 zu. Das gilt auch für neumodische Methoden mit bunten Post-Its. Und Arbeit nach Schema F wird zunehmend wertloser. Was in der Dienstleistungsbranche, aber auch der Digitalindustrie wichtiger ist, sind gute Ideen, Kreativität, Reflexionsfähigkeit und die Möglichkeit sich auf jeden individuellen Fall einzustellen und zu bearbeiten, ohne ein „Konzept“ überzustülpen.

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